Holzwerkstoff- und Naturfaser-Technologien

Forschungsprojekt

Wasserzeichen lösen Rätsel um Rembrandts Werkstatt

Seit dem Mittelalter finden wir Wasserzeichen als Herkunfts- und Qualitätszeichen in handgeschöpftem Papier. Für Kunsthistoriker sind sie in ihrer phantasievollen Motivvielfalt ein Hilfsmittel zur Datierung von Zeichnungen und druckgraphischen Blättern. Bei modernen Papieren hingegen werden Wasserzeichen überwiegend als Sicherheitsmerkmal, etwa bei Schecks oder Wertpapieren, benutzt. Mit einem neuen Infrarot-Verfahren machen wir Wasserzeichen auf Papieren sichtbar und ermöglichen somit die genauere Datierung von Kunstwerken.

© Fraunhofer WKI
Aufbau zur thermographischen Erkennung von Wasserzeichen (links), unten das untersuchte Bild eines unbekannten Rembrandtschüler (Die Opferung Iphigenies) und oben das erkannte Wasserzeichen.
© Fraunhofer WKI
Links: In Jan Lievens Handzeichnung (Bauerngehöft am Wasser) ist das Wasserzeichen in einer Durchlichtaufnahme wegen der darüberliegenden Zeichnung nicht zu erkennen. Mit der Transmissions-Thermographie ist das Wasserzeichen, ein bekröntes Lilienwappen, deutlich zu erkennen (rechts).

Leider sind Wasserzeichen unter einer starken Überzeichnung oder unter starker Beschriftung im normalen Durchlicht nicht immer sichtbar, weder für das bloße Auge noch für eine Digitalkamera.

Das WKI konnte zusammen mit dem Herzog-Anton-Ulrich-Museum und dem Institut für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig (IfN) dieses Problem mit Hilfe der Thermographie lösen. So konnten wir in kürzester Zeit Wasserzeichen von ca. 60 alten Handzeichnungen, die Rembrandt bzw. seinem Umfeld zugerechnet wurden, mittels Thermographie sichtbar machen.

Thermographie macht Wasserzeichen sichtbar
In einem Experimentalaufbau (Abb. 1) erzeugt eine Thermographiekamera unter günstigen thermischen Bedingungen ein Bild, das die Dichteunterschiede im Papier wiedergibt, wodurch das Wasserzeichen deutlich sichtbar wird. Die Zeichnungen oder Texte auf dem Untersuchungsmaterial bleiben dabei im Wesentlichen unsichtbar.

Diese optische Ausschaltung erforderte bisher aufwändige Röntgenapparaturen, die nur mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen betrieben werden durften. Das neue thermographische Verfahren hingegen ist mobil und erfasst und dokumentiert sehr einfach Wasserzeichen auf bezeichneten, beschriebenen oder bedruckten Blättern und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu deren (kunst-)historischer Erforschung. Es hilft entscheidend bei der Beantwortung der Frage, ob beispielsweise eine ehemals als Werk Rembrandts klassifizierte Zeichnung von einem seiner Schüler oder einem Nachahmer des 18. Jahrhunderts stammt (Abb. 2).

 

Förderung

Eigenforschung