Materialanalytik und Innenluftchemie

Forschungsprojekt

EU-Projekt »MEMORI« - Schadstoffe im Museum: Entwicklung eines Dosimeters

Die EU fördert im 7. Forschungsrahmenprogramm ein internationales Forschungsprojekt, das sich mit der Erkennung, Bewertung und Vermeidung von Luftschadstoffen auseinandersetzt. Neben dem Hauptziel, der Entwicklung eines Dosimeters zur Bewertung der Luftkorrosivität, sollen die Auswirkungen von luftgetragenen Verbindungen auf Kunst und Kulturgut untersucht und Vermeidungsstrategien zur Schadensvorbeugung erarbeitet werden.

© Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau

Untersuchung adsorptiver Materialien auf ihre Filterleistung

Das Projekt MEMORI (Measurement, Effect assessment and Mitigation of pollutant Impact on movable cultural assets – Innovative research for market transfer) wird vom Norwegian Institute for Air Research (NILU) koordiniert und in insgesamt 12 Arbeitspaketen von 14 Forschungsinstitutionen und musealen Einrichtungen bearbeitet. Für die Arbeiten steht ein Budget von über 3 Millionen Euro zur Verfügung. Als deutsche Projektpartner sind neben dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC, Würzburg/Bronnbach, und Kultur und Arbeit e.V., Bad Mergentheim, beteiligt. Das zu entwickelnde Dosimeter soll die Korrosivität der Umgebungsluft messen, der mobiles Kulturgut in Ausstellungs- und Lagerungssituationen ausgesetzt ist.

Als Ausgangsbasis dienen zwei Messsysteme, die bereits in vorherigen EU-Forschungsprojekten entstanden sind und nun in einem Gerät kombiniert werden sollen. Der so genannte EWO-Sensor (EWO: Early Warning Dosimeter) des NILU reagiert sensibel auf photooxidierende Verbindungen, der Glasdosimeter des Fraunhofer ISC liefert u. a. eine Indikation für das Einwirken organischer Säuren. Gemeinsam können die beiden Dosimeter luftgetragene Schadstoffe erfassen, die Schäden an Sammlungsgut verursachen können.

Darüber hinaus erfolgen umfangreiche Studien zu den Auswirkungen der im Museumsumfeld als korrosiv bekannten, organischen Säuren auf verschiedene Materialien, wie Firnisse, Pigmente, Leder, Pergament, Textilien und andere zellulosehaltige Werkstoffe. Diese sollen neue Erkenntnisse über Schadensmechanismen liefern und eine Bewertung auf Basis von Schwellwerten ermöglichen.

Die Entwicklung von Vermeidungsstrategien luftgetragener Schadstoffe im musealen Umfeld obliegt dabei dem Fraunhofer WKI. Diese basieren neben einer umsichtigen Auswahl von Werk- und Dekorationsstoffen, die zu einer Schadstoffbelastung beitragen, auch auf dem Einsatz von Adsorbern und damit auf einer effektiven Luftfilterung. Hierfür untersucht der Fachbereich MAIC des WKI verschiedene Adsorptionsmaterialien auf ihre Filterleistung sowohl in laboratorischen Versuchsaufbauten als auch im Einsatz vor Ort in Museen. Darüber hinaus werden Luftströmungen innerhalb von Vitrinen und Rahmen visualisiert.

Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Aufbewahrung von Sammlungsgut unter anoxischen Bedingungen. Ein von der Dublin City University neu zu entwickelnder Sauerstoffsensor soll die Effizienz von Sauerstoffabsorbern und anoxischen Atmosphären in Vitrinen überprüfen.

Die im Rahmen von MEMORI erlangten Kenntnisse und entwickelten Geräte sollen unmittelbar in den Markt transferiert werden. Hierfür werden projektbegleitend Vermarktungskonzepte entwickelt und Projektabschnitte wie Zwischenergebnisse mit potenziellen Endnutzern diskutiert. Die Anwendbarkeit von Dosimetern und Adsorbern wird in namhaften europäischen Museen, wie der Tate Britain in London und dem Nationalmuseum in Krakau, überprüft.

 

Förderung
Europäische Kommission im 7. Forschungsrahmenprogramm