Materialanalytik und Innenluftchemie

Forschungsprojekt

Präventive Konservierung bei Baumaßnahmen in Museen

Das Fraunhofer WKI begleitet zwei Museen bei (Um-)Baumaßnahmen, um alle für eine langfristig schadensfreie Aufbewahrung der Sammlung notwendigen Anforderungen einfließen zu lassen und umzusetzen.

© Fraunhofer WKI
Erfassung von luftgetragenen Verbindungen und Partikeln in der Domschatzkammer Minden.
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Deckblatt der Handlungshilfe

Museen zählen zu den wichtigsten Einrichtungen der Gesellschaft, da sie durch Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln künstlerischer und kultureller Zeugnisse die historische Identität einer Bevölkerungsgruppe, einer Region oder einer bestimmten Epoche bewahren. Um diesen Auftrag zu erfüllen, müssen bei der Lagerung und Präsentation von Sammlungsgut die Umgebungsbedingungen möglichst optimal auf die spezifischen Anforderungen der einzelnen Materialgattungen abgestimmt werden. Durch die ganzheitliche Prüfung aller auf die Sammlung einwirkenden Umgebungsfaktoren und deren umsichtige Auswahl und Definition, sollen bereits im Vorfeld Gefährdungsfaktoren erkannt und wirkungsvoll vorgebeugt oder zumindest langfristig minimiert werden.

Die so genannte Präventive Konservierung zielt damit auf frühzeitig zu ergreifende, vorbeugende Maßnahmen zur nachhaltigen Vermeidung von Schäden an Kunst- und Kulturgut. Im Idealfall erfolgt dies ausschließlich durch eine optimale Regulierung der Umgebungsbedingungen. Ein direkter Eingriff an den Sammlungsstücken durch konservatorisch-substanzerhaltende oder sogar restauratorisch-wiederherstellende Maßnahmen soll vermieden werden.

Bei den Umgebungsfaktoren, die sich negativ auf Sammlungsgüter auswirken können, handelt es sich im Wesentlichen um klimatische Parameter (Temperatur, relative Luftfeuchte), Beleuchtung und luftgetragene sowie partikuläre Schadstoffe. Die Schäden können von optischen Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Ausbleichen textiler Farbstoffe infolge von Lichteinwirkung, bis hin zu einer kompletten Zerstörung des Materials reichen, wie es unter anderem bei der Exposition von Bleiobjekten gegenüber organischen Säuren beobachtet werden kann.

Auch wenn sich Museen dieser Problematik sehr bewusst sind, so stellt die effiziente Implementierung von Maßnahmen der Präventiven Konservierung in der Praxis die Verantwortlichen vor Probleme und ungeklärte Fragen. Insbesondere ästhetische Kriterien in der Ausstellungsgestaltung scheinen konservatorischen Anforderungen unvereinbar gegenüber zu stehen. Darüber hinaus fehlen häufig finanzielle Mittel für eine wissenschaftliche Begleitung und, gerade bei kleinen Einrichtungen, Fachpersonal. Nicht selten kommen daher auf Museen kostenintensive Nachbesserungen zu, um bei ungeeigneten Ausstellungskonzepten die konservatorischen Bedingungen zu optimieren. Auch werden die in Forschungsvorhaben erarbeiteten Kriterien zur Präventiven Konservierung bzw. die für spezifische Umgebungsparameter definierten Werte nur selten auf ihre praktische Anwendbarkeit überprüft.

In einem zweijährigen, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojekt werden daher die in zwei Museen bevorstehenden Umbau- bzw. Neubaumaßnahmen von Beginn an mit der Zielsetzung begleitet, Anforderungen der Präventiven Konservierung klar zu definieren, praktisch umzusetzen und mit architektonisch-ästhetischen Kriterien unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten zu vereinbaren.

Ein weiteres Projektziel war darüber hinaus die Erstellung einer praxisorientierten Handlungshilfe, die musealen Einrichtungen exemplarisch Vorgehensweisen und Entscheidungswege bei Baumaßnahmen aufzeigen und damit Hilfestellung für Planungs- und Durchführungsprozesse bieten soll. Diese steht nach Projektabschluss als kostenloser Download zur Verfügung (s. unten).

Förderung
Deutsche Bundesstiftung Umwelt