WoodTreat:
Recycling belasteter Althölzer für eine zirkuläre Bioökonomie
Holz ist ein wertvoller nachwachsender Rohstoff. Um seine Haltbarkeit zu verlängern, wird es häufig mit chemischen Holzschutzmitteln behandelt. Diese Behandlung schützt vor Insekten, Pilzen und Witterungseinflüssen. Doch wenn das Holz zum Abfall wird, stehen wir vor einem Problem. Große Mengen behandelter Althölzer, insbesondere aus rückgebauten oder abgerissenen Dachstühlen, lassen sich bislang kaum wiederverwerten. Schadstoffe aus Holzschutzmitteln verhindern eine sichere Nutzung und führen oft zur energetischen Verwertung gemäß Altholzverordnung. Das europäische Forschungsprojekt WoodTreat setzt hier an. Ziel ist es, belastetes massives Altholz so aufzubereiten, dass schadstofffreie Sekundärrohstoffe entstehen. Das heißt, ein Balken soll als dekontaminierter Balken wiederverwendet werden, nachdem die Oberflächen abgetrennt sind. Dies soll vorzugsweise mit der Wasserstahltechnik erfolgen, um nicht zuvor störende Nägel und Schrauben entfernen zu müssen. WoodTreat stärkt damit die Kreislaufwirtschaft, senkt Umweltbelastungen und unterstützt eine nachhaltige Nutzung von Holz als nachwachsendem Rohstoff.
In Europa wird Holzabfall in verschiedene Klassen eingeteilt. Die höchste Kategorie – oft als Klasse C oder in Deutschland als Altholzkategorie A IV bezeichnet – umfasst stark mit Holzschutzmitteln behandeltes Holz oder Holz bei dem zumindest der Verdacht auf eine Belastung mit Holzschutzmitteln besteht. Das heißt: Es wurde mit Chemikalien wie Pestiziden, Bioziden oder Fungiziden imprägniert, um seine Haltbarkeit zu erhöhen. Diese alten Chemikalien können Umwelt und Gesundheit gefährden. Deshalb wird derart behandeltes Holz heute nicht recycelt, sondern hauptsächlich thermisch verwertet, also verbrannt.
Durch den verstärkten Einsatz von Holz, z. B. im Rahmen des »Neuen Europäischen Bauhauses«, wird künftig noch mehr mit Schutzmitteln behandeltes Holz anfallen. Auch wenn solche Behandlungen die Lebensdauer von Holz verlängern, wird dieses Holz irgendwann zu Abfall und muss entsorgt werden. Insbesondere alte und nicht mehr zugelassene Holzschutzmittel sind jedoch problematisch – sie können die Umwelt belasten und die Gesundheit von Menschen gefährden. Deshalb braucht es bessere und effizientere Verfahren zur Reinigung kontaminierter Holzbalken und Sanierungstechnologien.
Gleichzeitig machen vorhandene Schadstoffe (chemische Behandlungsmittel, Schwermetalle) das Recycling von Holz derzeit sehr schwierig. Daher ist weitere Forschung zu Reinigungs- und Aufbereitungsverfahren nötig. Altholz der Kategorie A IV kann sich aus verschiedenen Holzarten und Produkten mit sehr unterschiedlichen Kontaminationsgraden zusammensetzen. Das erfordert komplexe Maßnahmen und erfordert Lösungen sowohl für die Kreislaufwirtschaft als auch für die Umweltverträglichkeit.
Das Hauptziel von WoodTreat ist die Entwicklung von Verfahren zur Gewinnung »sauberer« Sekundärrohstoffe aus stark mit Holzschutzmitteln belastetem Altholz. Dieselben Verfahren sollen sich auch auf weniger belastetes Holz anwenden lassen.
Ein wichtiges Ziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines automatisierten Online-Charakterisierungssystems. Es soll belastetes von weniger belastetem Holz zuverlässig unterscheiden – online und in Echtzeit. Das würde die Sortierung erheblich erleichtern.
Im Projekt prüfen wir außerdem bestehende Gesetze und Vorschriften und entwickelt Empfehlungen für künftige Regelungen. Denn rechtliche Rahmenbedingungen müssen das Upcycling von gereinigtem, aufbereitetem Altholz unterstützen. Die deutsche Altholzverordnung sieht bisher keine erneute Nutzung von kontaminiertem Holz vor, auch wenn es nachweislich gereinigt wurde.
Der WoodTreat-Ansatz: Vom Abfall zum Wertstoff
WoodTreat verfolgt einen mehrstufigen Kaskadenansatz für stark kontaminierte Holzabfälle aus dem Endverbraucherbereich. Im Projekt entwickeln wir Verfahren, die Schadstoffe aus dem Holz entfernen und hochwertige Sekundärrohstoffe gewinnen. Diese können dann in neue Produkte einfließen.
Die Forschungsergebnisse werden in sieben Pilotversuchen getestet und validiert. So stellt WoodTreat sicher, dass die Verfahren auch in der industriellen Praxis funktionieren.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Weniger Verbrauch von frischem Holz
- Reduzierung nicht nachhaltiger Entsorgungswege oder Verbrennung
- Neue hochwertige Produkte aus Sekundärmaterialien
- Stärkung der Kreislaufwirtschaft
Letzte Änderung:
Fraunhofer-Institut für Holzforschung