Erfordert der rasant fortschreitende Klimawandel bessere Konzepte zum Schutz von Menschen in Innenräumen?

Pressenotiz /

Professor Tunga Salthammer vom Fraunhofer WKI und Professor Lidia Morawska von der Queensland University of Technology haben kürzlich in der Zeitschrift WIREs Climate Change einen Artikel veröffentlicht, in dem sie eine wichtige Frage untersuchen: Was bedeutet der Klimawandel für die Luft in Innenräumen, also in Wohnungen, Büros, Schulen und anderen Gebäuden?

Es bedarf moderner baulicher Konzepte, um den Herausforderungen des fortschreitenden Klimawandels zu begegnen (Bild: KI-generiert).

Die Autoren stützen sich in ihren Ausführungen auf den aktuellen Bericht des Weltklimarats (IPCC). Demnach wird die globale Erderwärmung bis zum Jahr 2100 voraussichtlich 2,7 °C oder mehr betragen. Gleichzeitig schwächt sich die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation, ein wichtiges Meeresströmungssystem, ab. Beides zusammen führt vermutlich zu drastischeren Klima- und Wetterereignissen als bisher angenommen. Dadurch steigen auch die Anforderungen an Gebäude, in denen Menschen leben, arbeiten und Schutz suchen.

Im Artikel werden zunächst vier Aspekte diskutiert, wie die Innenraumluftqualität durch den Klimawandel und damit verbundene Umweltbedingungen beeinflusst werden kann:

  • Thermischer Komfort: Wie angenehm oder unangenehm warm ist es in Innenräumen?
  • Feinstaubbelastung: Wie hoch ist der Anteil lungengängiger Partikel?
  • Innenluftchemie: Welche Stoffe befinden sich in der Innenraumluft und wie reagieren sie?
  • Mikrobiologische Kontamination: Wie stark sind Innenräume mit Keimen, Bakterien oder Schimmelpilzsporen belastet?

Es folgen Überlegungen, wie eine Kombination aus Gebäudeplanung und -überwachung die Luftqualität durch Belüftung verbessern kann. Weiterhin formulieren die Autoren technische und politische Anforderungen, die zur Vorbereitung des Wohn- und Arbeitsumfelds auf die zu erwartenden Szenarien des Klimawandels notwendig sind. Dementsprechend verfügt die Gesellschaft über die entsprechenden Aktionspläne sowie bauliche und technische Ressourcen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Ein Problem sind aber die komplizierten administrativen Entscheidungsprozesse, wodurch die Umsetzung notwendiger Maßnahmen oft verzögert oder verhindert wird.

Salthammer und Morawska kommen zu dem Schluss, dass die Qualität der Innenraumluft ein zentrales Thema der öffentlichen Gesundheit sein müsse. Besonders wichtig sind dabei der Hitzeschutz, der Einsatz moderner Lüftungssysteme sowie bauliche Konzepte. Wenn die Anpassung von Gebäuden an klimabedingte Risiken weiter hinausgezögert werde, steigen die Gesundheitsrisiken deutlich – vor allem für besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen, Kinder oder Kranke. Außerdem könne die soziale Unsicherheit wachsen, wenn es keine klaren und umfassenden Strategien für das Krisenmanagement gibt.

Der Artikel (Open Access, CC BY 4.0 Lizenz) wurde am 3. Februar 2026 veröffentlicht und ist unter der DOI-Nummer 10.1002/wcc-70043 online zugänglich.  

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