Presseinformation

Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI auf der nature.tec 2018

Braunschweig / 18.1.2018

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin findet vom 19. bis 28. Januar 2018 wieder die von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) veranstaltete nature.tec statt. Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI zeigt gemeinsam mit dem Fraunhofer IAP und dem Fraunhofer CBP in Halle 4.2, Stand 304 Forschungsergebnisse zum Thema »Natur nachhaltig nutzen«.

In diesem Jahr präsentieren die Mitarbeitenden des Fraunhofer WKI ihre neusten Forschungsarbeiten zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe für Klebstoffe, Dämmstoffe oder Automobilteile.

Der Fachbereich Oberflächentechnologie zeigt beispielsweise Spanplatten, die mit einem Weißleim hergestellt wurden, der mit Zuckerbausteinen modifiziert wurde. Dieser neue (teilweise) biobasierte Klebstoff enthält kein Formaldehyd und zeichnet sich durch eine bessere Wärmeformbeständigkeit im Vergleich zu konventionellen Weißleimen aus. Schwerpunkte im vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) geförderten Projekt sind die Synthese und Formulierung der Klebstoffe, sowie die Verarbeitung zu Sperrholz, Spanplatten und MDF. An dem Vorhaben sind neben dem Fraunhofer WKI ein Klebstoffhersteller und vier Holzwerkstoffhersteller beteiligt, die die Holzwerkstoffe herstellungstypisch nach Vorversuchen im Fraunhofer WKI eigenen Technikum produzieren.

Auch am Fraunhofer WKI entwickelte EPI-Klebstoffe auf Basis von Lignin, einem Nebenprodukt der Papierherstellung, werden vorgestellt. Laborversuche zeigen, dass diese Klebstoffe eine hohe Wasser- und Wärmestandfestigkeit besitzen (Klassifizierung nach EN 204 für die Beanspruchungsgruppe D4). Die Forschungsarbeiten des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) geförderten Projekts laufen weiter.

Darüber hinaus präsentieren die Wissenschaftler veganes Leder. Die Hauptkomponenten basieren auf pflanzlichem Öl und Zucker. Damit lassen sich sehr feste oder hoch flexible Kunstleder mit einer angenehmen Haptik realisieren. Die Produkte weisen ein hohes Anwendungspotenzial für die Automobil- und Möbelindustrie auf.

Neuartige Materialien für UV-härtende Verfahren der additiven Fertigung, den so genannten 3D-Druck, stellt das Fraunhofer WKI ebenfalls am Stand vor. Derzeit basieren UV-härtende Materialien für die additive Fertigung von Polymeren überwiegend auf radikalisch härtenden Polyestern und Polyurethanen. Als UV-härtende Komponente wird in diesen Harzen hauptsächlich Acrylsäure eingesetzt. Bauteile, die aus solchen Harzen gefertigt sind, weisen allerdings einige Nachteile auf, wie hoher Schrumpf, hohe Sprödigkeit und geringe Wärmeformbeständigkeit. Gemeinsam mit mehreren Unternehmen entwickeln die Forschenden neuartige, radikalisch härtende, biogene Polymere für photopolymerbasierte Harze mit verbesserten Eigenschaften. Diese können dann in den drei UV-härtenden additiven Fertigungsverfahren Stereolithografie (SLA), Digital Light Processing (DLP) und Multijet-Modelling (MJM) eingesetzt werden. Als UV-härtende Komponente wird Itaconsäure eingesetzt, die biotechnologisch aus Nebenprodukten der Zuckerproduktion hergestellt wird. So erhöhen die vom BMBF geförderten Forschungsarbeiten nicht nur die Materialvielfalt im Bereich der additiven Fertigung von Kunststoffen, sondern leisten darüber hinaus einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, da für Materialsysteme der additiven Fertigung zukünftig vermehrt nachwachsende Rohstoffe genutzt werden können.

UV-härtende Druckfarben auf Zucker-Basis sind ein weiteres Thema des Fachbereichs Oberflächentechnologie. In dem über die FNR durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt wird ebenfalls Itaconsäure als Alternative zu Acrylsäure für diese Art der Drucktechnologie eingesetzt.

Institutsübergreifend präsentiert das Fraunhofer WKI darüber hinaus erste Ergebnisse aus einem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) geförderten Projekt zu Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. »Mehr als nur Dämmung« ist das Thema dieses Forschungsvorhabens, in dem zwölf Institutionen, Industriepartner und Verbände daran arbeiten, die Anwendbarkeit von Dämmstoffen aus NawaRo signifikant zu erhöhen, d. h. diese für Hersteller, Planer und Verarbeiter zu erleichtern sowie darüber hinaus bestehende Anwendungshemmnisse, z. B. im Baurecht bzw. in Normen auszuräumen. In dem Projekt werden die Dämmstoffe ganzheitlich betrachtet. Die sechs fachlichen Arbeitsbereiche arbeiten deshalb interdisziplinär an einem umfassenden, globalen Lösungsweg.

Das Anwendungszentrum HOFZET stellt eine Autotür für ein Sportfahrzeug aus, die aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt wurde. Das Gesamtfahrzeug kann gleich nebenan in Halle 4.2 am Stand 308 der FNR besichtigt werden. Die Fahrzeugtür repräsentiert die Kompetenz des WKI/HOFZET in der Produkt- und Prozessentwicklung mit Fokus auf den Einsatz biobasierter Materialien im Hybridleichtbau. Diese wurde entsprechend den Bauteilanforderungen aus biobasierten Materialien, d. h. Naturfasern und Bio-Epoxidmatrix, sowie konventionellen Hochleistungsfasern, wie Carbon, hergestellt. Die Tür als Exponat zeigt beispielhaft, dass biobasierte Materialien und deren Kombination mit Hochleistungsfasern prozesstechnisch verarbeitet werden können und für den Einsatz in technischen Anwendungen geeignet sind. Als Herstellungsverfahren für die anwendungsnahe Kombination von Naturfasern und Hochleistungsfasern in biobasierter Kunststoffmatrix nutzten die Forschenden das Vakuuminfusionsverfahren und passten es für die Verarbeitung der biobasierten Materialkomponenten zu hochbelastbaren Bauteilen an.
 

Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 4.2 freuen wir uns auf Ihren Besuch!