Presseinformation

11. Europäisches Holzwerkstoff-Symposium: Automobilbranche setzt auf Holz - Chancen für die Holzwerkstoffindustrie

Braunschweig, / 5.11.2018

Vom 10. bis 12. Oktober 2018 trafen sich Branchenvertreterinnen und -vertreter aus Wissenschaft und Praxis im Grand Elysée Hotel in Hamburg, um Themen rund um den Werkstoff Holz zu diskutieren. Formaldehyd, das Potenzial von Holzwerkstoffen in der Automobilindustrie und die zukünftigen Herausforderungen für die Branche standen im Fokus der insgesamt 345 Teilnehmenden aus 32 Nationen. Die intensiven Fachgespräche rund um die Vortragssessions machten die diesjährigen Veranstaltung erneut zu einem vollen Erfolg.

Professor Dr.-Ing. Bohumil Kasal, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, und Kris Wijnendaele, technischer Direktor des europäischen Holzwerkstoffverbands EPF, begrüßten die Teilnehmenden am ersten Veranstaltungstag. Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg, wies in seinen Grußworten auf die Bedeutung der Nutzung des Rohstoffs Holz im Hinblick auf den Klimawandel hin. Auch für die Stadt Hamburg spielt Holz laut Kerstan eine wichtige Rolle: Zum einen als Material für leichte Aufstockungen auf bereits bestehende Gebäude, zum anderen als Standort des international anerkannten Studiengangs Holzwirtschaft.

Im Eröffnungsvortrag referierte Dr. Jan Bergmann, Geschäftsführer der Sonae Arauco Deutschland GmbH, zur derzeitigen ökonomischen Situation der europäischen Holzwerkstoffindustrie und politischen sowie industriellen Veränderungen. Die Branche stehe vor wesentlichen Herausforderungen, so Bergmann. Beispielsweise gewinne Altholzrecycling und der Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel zunehmend an Bedeutung. Weiterhin bestehe Verbesserungsbedarf in der Kommunikation über die Einhaltung von Vorschriften und der Genauigkeit der Messmethoden. Daher sei eine koordinierte europäische Interessenvertretung der Partner aus der Holzwerkstoffindustrie dringend erforderlich.

In den insgesamt 22 Fachvorträgen befassten sich die Referentinnen und Referenten aus Industrie und Forschung unter anderem mit Produkt- und Klebstoffentwicklungen sowie Prozess- und Anlagenoptimierung. Die Bandbreite der weiteren Themen reichte von Emissionen über Recycling bis hin zu »Handlungsempfehlungen«, um die Akzeptanz für Holznutzung in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Dr. Christian Ullrich von Nobilia sprach als Vertreter der Möbelindustrie über die Steigerung der Produktqualität durch die fundierte Analyse von Prozessfähigkeit und Performance bei der Herstellung von Küchenbauteilen. Michael Wolff, Wolff Management Solutions, unterstrich in seinem Vortrag die Bedeutung langfristiger strategischer Planung und die Durchführung abgeleiteter Maßnahmen für die holzverarbeitende Industrie.

Von aktuellem Interesse war bei der Veranstaltung weiterhin das Thema Formaldehyd: Professor Dr. Tunga Salthammer, Fachbereichsleiter »Materialanalytik und Innenluftchemie« des Fraunhofer WKI, ging umfassend auf Formaldehydquellen und -konzentrationen in Innenräumen ein. »Die politischen Maßnahmen zur Begrenzung von Formaldehyd stehen derzeit vor einem Dilemma. Einerseits werden große politische Anstrengungen unternommen, um immer niedrigere Grenzwerte für Bauproduktemissionen und Raumluftkonzentration durchzusetzen. Andererseits bleiben dabei sekundäre Quellen im Innen- und Außenbereich unberücksichtigt«, so Salthammer. Venla Hemmilä, IKEA, stellte der Branche die Maßnahmen des Möbelherstellers zur weiteren Reduzierung der Formaldehydemissionen bis 2020 vor. Eine der Kernfragen sei, wie hierbei das Ziel erreicht werden kann, die Hälfte der natürlichen Holzemissionen als Höchstwert einzuhalten.

Erstmals war auch die Automobilbranche beim Symposium vertreten: Dr. Fabian Fischer, Volkswagen AG, erläuterte die Eignung von Holzwerkstoffen und deren Anforderungen für strukturgebende Komponenten im Fahrzeugbau. Anhand des Forschungsprojekts For(s)tschritt, das die Volkswagen AG unter anderem mit dem Fraunhofer WKI und der Universität Kassel durchführt, erläuterte er die aktuellen Forschungsvorhaben des Automobilherstellers, die im Zusammenhang mit dem hölzernen Naturstoff stehen, und diskutierte das Potenzial von Holzwerkstoffen in der Automobilindustrie. Holzbasierte (Multimaterial-)Leichtbaulösungen ermöglichen Kosteneinsparungen und eine einzigartige Umweltbilanz durch Nutzung eines natürlichen Werkstoffs. Die Herausforderungen für den Einsatz von Holzwerkstoffen liegen dabei unter anderem in komplexen 3D-Geometrien und den mechanischen Eigenschaften der Bauteile, deren Passgenauigkeit und in den hygroskopischen und thermischen Eigenschaften. Fischer rief die Vertreter der Holzwerkstoffindustrie dazu auf, ihre Lösungskompetenzen in den automobilen Leichtbau mit einzubringen.

Die Pausen nutzten die Teilnehmenden für intensive Fachgespräche, Networking und um sich im Rahmen der Posterausstellung über neue Forschungsarbeiten zu informieren. Ihre aktuellen Dienstleistungen und technischen Lösungen stellten 11 Unternehmen in der begleitenden technischen Ausstellung vor.

Sehr gut besucht waren die beiden Abendveranstaltungen, die als Rahmenprogramm die Vortragsveranstaltung erweiterten. Am ersten Abend trafen sich die Teilnehmenden auf Einladung der ausstellenden Unternehmen und des iVTH e. V. im Grand Foyer des Hotels. Der langjährigen Tradition folgend, richtete Sasol Wax erneut den diesjährigen Empfang am Donnerstagabend aus, der in lockerer Atmosphäre im international bekannten Musikclub »Gruenspan« auf der Großen Freiheit im Herzen von St. Pauli stattfand.

Das Europäische Holzwerkstoff-Symposium wird zweijährig vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI und dem Europäische Holzwerkstoffverband EPF mit Unterstützung des Internationalen Vereins für Technische Holzfragen iVTH e. V. und Sasol Wax veranstaltet. Rund 56 Prozent der Teilnehmenden kamen in diesem Jahr aus Deutschland, 34 Prozent aus anderen europäischen Ländern und 10 Prozent aus Übersee. Die Vorträge der Veranstaltung können in digitaler Form bei Frau Heike Pichlmeier vom Fraunhofer WKI unter der E-Mail-Adresse info@wki.fraunhofer.de bestellt werden. Die Kosten hierfür betragen 50 Euro. Das 12. Europäische Holzwerkstoff-Symposium findet vom 30. September bis zum 2. Oktober 2020 wieder in Hamburg statt.