Presseinformation

3. Kooperationsforum Kleben von Holz und Holzwerkstoffen in Würzburg

Braunschweig / 25.7.2017

Am 21. und 22.6.2017 trafen sich in Würzburg rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus neun Ländern, um sich über aktuelle Fragestellungen der Wertschöpfungskette Klebstoff und Holz zu informieren und zu diskutieren. Die Teilnehmenden kamen vor allem aus der Klebstoffherstellung und -prozesstechnik, Holzbe- und -verarbeitung, dem Holzbau und der Möbelindustrie, Architektur bzw. Planung sowie aus wissenschaftlichen Einrichtungen. Organisiert wurde die Tagung im Auftrag des Clusters Forst und Holz in Bayern von der Bayern Innovativ GmbH in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verein für Technische Holzfragen iVTH e.V., dem Cluster Forst und Holz in Bayern, der Holzforschung München und der Hochschule Rosenheim. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie unterstützt das Forum.

Für den iVTH e.V. moderierte der ehemalige, langjährige Leiter des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Prof. Dr. Rainer Marutzky, den Tagungsblock »Funktionsintegration – Klebstoffe mit Zusatznutzen«. Im Tagungsblock »Klebstoffrelevante Entwicklungen in Europa« stellten zwei Referentinnen des Fraunhofer WKI dem Auditorium ihre Ergebnisse aus zwei Forschungsprojekten vor.

Dr. Heike Pecher vom Fachbereich »Qualitätsprüfung und -bewertung« präsentierte Informationen zum Projekt »Bioklebstoff@Holz«, das von der Fraunhofer-Gesellschaft ein Jahr lang gefördert wurde. Ziel des Projekts war es, das große Potenzial von Holz umfassend zu nutzen. Dabei sollten in der Holzwerkstoffindustrie zur Herstellung von Spanplatten eingesetzten Holzspäne so modifiziert werden, dass diese ein eigenes Bindungsvermögen aufbauen. Entsprechend sollte der industrielle Acetylierungsprozesses erweitert und auf den Einsatz von zusätzlichem, ggf. formaldehydhaltigen, Klebstoff verzichtet werden. In dem Projekt führten die Wissenschaftler eine Machbarkeitsstudie zur Modifizierung von konventionellen Fichtenholzspänen durch. Konkret modifizierten die Forscher die holzeigene Cellulose zu einem thermoplastischen Cellulosesekundäracetat, um an der Holzoberfläche thermoplastische Bereiche zu generieren, die unter Wärmezufuhr erweichen und untereinander verschmelzen.

Die mechanischen Eigenschaften der hergestellten Spanplatten entsprechen bereits jetzt nahezu den Normanforderungen an eine P1/P3-Spanplatte. Eine Patentanmeldung als »Acetyliertes Lignocellulose-Material mit autoadhäsiven Eigenschaften« ist unter der Nummer DE 10 2016 222 292, 2016 bereits erfolgt.

Dr. Frauke Bunzel vom Fachbereich »Verfahrens- und Systemtechnik Holzwerkstoffe« stellte formaldehydfreie Aminoharze für die Holzwerkstoffindustrie vor, die sie durch die Substitution von Formaldehyd durch alternative Aldehyde erzielte. In zwei Projekten entwickelten die Beteiligten formaldehydfreie Aminoharze, in dem sie Formaldehyd durch alternative Aldehyde wie Glyoxal, Glyoxylsäure und Glykolaldehyd substituierten. Dabei ist die Synthese der formaldehydfreien Aminoharze mit Glyoxal und Glyoxylsäure einfach durchzuführen. Glykolaldehyd wird aus Formaldehyd gewonnen und kann direkt zur Synthese von Aminoharzen eingesetzt werden.

Mit dem entwickelten formaldehydfreien Melamin-Harnstoff-Harz mit Glyoxal und Glyoxylsäure als Aldehyd konnten die Forscher erfolgreich Spanplatten herstellen, die die Anforderungen nach DIN EN 312 Typ P1, P2 und P4 erfüllen. Ohne Zugabe eines Hydrophobierungsmittels ist die Wasseraufnahme und Quellung dieser Spanplatten für Anwendungen im Feuchtbereich allerdings noch nicht möglich. Erste Ergebnisse der Prüfungen von MDF-Platten, die mit einem im Projekt entwickelten formaldehydfreien Melaminharz mit Glykolaldehyd produziert wurden, zeigen gute Tendenzen.

Am Ende der Veranstaltung fasste Prof. Dr. Rainer Marutzky vom iVTH e.V. die beiden erfolgreichen Konferenztage zusammen und empfahl den Teilnehmenden, die in Vorträgen und Gesprächen gewonnenen Erkenntnisse als Anregungen für Neuentwicklungen und innovative Anwendungen zu nutzen. Sein Fazit der europaweiten Vernetzung der Holz- und Klebstoffbranche fiel ausgesprochen positiv aus, insbesondere im Hinblick auf die Konzeption des Kooperationsforums, die fachliche Qualität der präsentierten Vorträge und den regen Austausch der Teilnehmenden.