Einfluss des Klimawandels auf die Innenraumluftqualität

Forschungsprojekt

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Die globale Erwärmung stellt nicht nur eine große Herausforderung für die Wissenschaft, Politik und Gesellschaft dar, sondern beeinflusst auch direkt die Luftqualität in Innenräumen. Die Bedeutung des Klimawandels kann für Deutschland und Mitteleuropa durch folgende Szenarien beschrieben werden: es wird mehr Tage mit Extremtemperaturen (>30 °C), Starkregen und einen gleichzeitigen Rückgang der durchschnittlichen Niederschlagsmenge geben. Vor allem durch die Veränderung der Temperatur, Luftfeuchte und direkten Sonneneinstrahlung wird es zu einer Verschlechterung der Luftqualität und somit auch zu einem wesentlichen Risiko der Gesundheitsgefährdung kommen können.

In einem dreijährigen Forschungsvorhaben haben wir ein komplexes Simulationsmodell entwickelt, das sog. Indoor Air Quality Climate (IAQCC)-Modell. Die ganzheitliche Betrachtung verschiedener Teilaspekte erlaubt das Modell eine Folgenabschätzung des Klimawandels in Bezug auf innenraumrelevante Zusammenhänge: bauphysikalische Parameter, Emissionen aus Materialien und Wohnaktivitäten, chemisch-physikalische Reaktionen in der Innenraumluft mit Schwerpunkt auf gas- und partikelförmigen Verbindungen, Schimmelpilzwachstum an Oberflächen im Innenraum und menschliche Exposition gegenüber Schadgasen und Partikeln sowie das Wohlbefinden bei Aufenthalt in Innenräumen (thermischer Komfort).

Das Modell berücksichtigt die sog. SSP-Szenarien (SSP: Shared Socioeconomic Pathways, dt.: gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade) bis zum Jahr 2100. Die Simulationsergebnisse zeigen, dass sich Innenräume zukünftig stärker erwärmen werden und die Konzentrationen von luftgetragenen Schadstoffen sowie das Risiko der Schimmelbildung im Innenraum zunehmen werden. Es werden daher massive bauliche Verbesserungen notwendig sein, die primär eine stärkere Isolierung der Gebäudehülle, eine bessere Belüftung und direkten Sonnenschutz umfassen. Andernfalls werden die Raumnutzenden zunehmend thermischem Unbehagen bis hin zu schwerem Hitzestress ausgesetzt sein.

Auf Basis des IAQCC-Modells wurde eine interaktive Web-Informationsplattform (Klimarechner) entwickelt, die einen spielerischen Zugang zu dem Thema ermöglicht und kostenlos verfügbar ist. Mit Hilfe dieses Tools können Interessierte die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr individuelles Wohn- und Arbeitsumfeld abschätzen. 

Projekttitel: ReFoPlan 2019

Förderung: Einfluss des Klimawandels auf die Innenraumluftqualität: Expertensystem, quantitative Prognosen und Informationssystem für die Öffentlichkeitsarbeit

Förderkennzeichen: FKZ 3719 51 205 0

Laufzeit: 2019-2023

Projektträger: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV)

Kooperationspartner: Fraunhofer Institut für Bauphysik - IBP Holzkirchen, Abteilung Hygrothermik