Historie

Das bereits 1946 von Dr. Wilhelm Klauditz gegründete Institut mit Sitz in Braunschweig gehört seit 1972 zur Fraunhofer-Gesellschaft. Es zählt zu den bedeutendsten Forschungseinrichtungen für angewandte Holzforschung in Europa. Lesen Sie mehr über die Entwicklung des Instituts und die Institutsleiter.

Dr.-Ing. Wilhelm Klauditz und die Gründung des »Instituts für Holzforschung«

Gründer und Namensgeber Dr.-Ing. Wilhelm Klauditz

Als Dr. Wilhelm Klauditz am 30. Juni 1963 auf einer Dienstreise nach München mit dem Auto tödlich verunglückte, war das der stärkste Einschnitt in die Geschichte des Instituts für Holzforschung seit dem Ende des Krieges. Wilhelm Klauditz war der Motor des Instituts und der Kristallisationspunkt der Aktivitäten des Vereins für Technische Holzfragen e.V. gewesen. Er hatte während der ungünstigsten Zustände direkt nach dem Krieg den Impuls für die Neugründung des Instituts für Holzforschung gegeben, und er hatte die wesentlichen Forschungsarbeiten und Kooperationen selbst initiiert und geleitet. Ein Jahr nach seinem Tode nahm das Institut zu seinen Ehren den Namen »Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung« an und machte damit auf die besondere Prägung aufmerksam, die Dr. Klauditz hinterlassen hatte.
 
1903, im Geburtsjahr von Wilhelm Klauditz, war die Holzforschung noch eine junge und wenig anerkannte Disziplin. Auf dem Forstwissenschaftlichen Gebiet gab es schon etablierte Forschungseinrichtungen: seit 1816 die Forstwissenschaftliche Akademie in Tharandt bei Dresden, seit 1830 eine Forstakademie in Eberswalde und seit 1868 eine weitere in Hannoversch Münden. Die stoffbezogene Holzforschung war aber als eigenständiger Bereich unbeachtet und bis nach dem ersten Weltkrieg kaum institutionell verankert.

Wilhem Klauditz studierte nach seinem Abitur Chemie und promovierte 1928 mit fünfundzwanzig Jahren zum Dr.-Ing.. Danach ging er für ein Jahr als wissenschaftlicher Assistent mit einem Stipendium der Justus-Liebig-Stiftung an die Universität Halle. Im Jahr 1929 trat er in das Zentrallaboratotium der Koholyt GmbH in Köln ein und stieg bei deren späteren Übernahme durch die Feldmühle AG zum stellvertretenden Leiter der Forschungsabteilung in Odermünde bei Stettin auf. 1939 schied er aus dem Konzern aus und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Reichsanstalt für Holzforschung in Eberswalde bei Berlin.

Daß im Jahre 1930 das preußische Holzforschungsinstitut in Eberswalde, die spätere Reichsanstalt für Holzforschung, gegründet wurde, ist vor allem dem Engagement von Professor Dr. C. G. Schwalbe zu verdanken. Das Institut widmete sich der Aufgabe, durch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten die Holzausnutzung der deutschen Forstwirtschaft zu verbessern. Professor Schwalbe schied 1934 als Leiter aus dem Institut aus. Danach wurde das Institut aufgeteilt in ein mechanisch-technologisches Institut und in ein chemisch-technologisches Institut, aus welchem nach dem Ende des zweiten Weltkriegs das Institut für Holzforschung hervorgehen sollte. Diese beiden unabhängigen Institute firmierten ab 1939 zusammen unter dem Namen »Reichsanstalt für Holzforschung«.

Dr. Wilhelm Klauditz etablierte sich schnell in der Reichsanstalt. 1944 wurde er Leiter des chemisch-technologischen Instituts als Nachfolger des verstorbenen Institutsleiters Prof. G. A. Kienitz. Der Leiter des mechanisch-technologischen Instituts war der renommierte Holzforscher Franz Kollmann. Die Arbeiten der Reichsanstalt beschäftigten sich in dieser Zeit mit der Entwicklung effektiverer Methoden der Holznutzung, um die kritische Situation der Forste in den Bedingungen der Kriegswirtschaft zu entschärfen.

Die Kapitulation des Deutschen Reiches bedeutete auch das Ende für das Reichsinstitut. Der Standort Eberswalde bei Berlin lag mitten in den Frontlinien der Roten Armee, so daß das Institut notdürftig evakuiert werden mußte, im Februar nach Tirol und bereits im Mai nach Hohenschwangau und Hohenpeißberg in Bayern. Dabei gingen die gesamte technische Ausstattung, die Bibliothek und viele Forschungsarbeiten des Reichsinstituts verloren. Unter den denkbar schlechtesten Bedingungen wurde zunächst noch zwei Monate weiter gearbeitet, bis im Juli 1945 aus Geldmangel die Arbeit beendet werden mußte.

Wilhelm Klauditz versuchte zunächst den Kern der Belegschaft für die Neugründung eines Holzforschungsinstituts zu sichern, indem er der Technischen Universitüt München eine Eingliederung in die Forstliche Abteilung der Hochschule vorschlug. Für die TU standen aber andere Dinge im Vordergrund, so daß Klauditz nach einer teilweise privat finanzierten Lösung suchen mußte.

Dr. Klauditz nahm also Kontakt nach Braunschweig zu seinem früheren akademischen Lehrer Prof. Dr. Gustav Gassner auf, der nach dem Krieg Rektor der Technischen Hochschule war. Gassner zeigte sich sehr daran interessiert, das Institut nach Braunschweig zu bekommen, aber die Situation der Hochschule - völlig zerstörte Gebäude und eine desolate finanzielle Situation - ließen die Eingliederung des Institutes nicht zu. Also faßte Klauditz die Möglichkeit ins Auge, das Institut teilweise mit Spenden der Industrie zu finanzieren. Er fand Unterstützung bei den Homogenholzwerken GmbH, die im Dezember 1945 anboten, einen Teil der Kosten für die Weiterführung des chemisch-technischen Instituts zu übernehmen. Das war der Impuls, der notwenig war, um weitere Geldgeber zu motivieren. Im Frühjahr des Jahres 1946 kam, wahrscheinlich angeregt durch den Braunschweiger Professor für Flugzeugbau und Leichtbau, Dr.-Ing. Hermann Winter, die Idee auf, die Finanzierung des Instituts durch einen »Verein für technische Holzfragen« tragen zu lassen. Die Unterstützung durch die Stadt, die Forstverwaltung und auch durch Industie- und Handelskammer, Universität und die Unternehmen MIAG und Homogenholzwerke, ermutigte Dr. Klauditz, am 7. Juli 1946 zur Gründungssitzung des Vereins einzuladen.

Mit dem Namen »Versuchs- und Beratungsstelle für technische Holznutzung des Vereins für technische Holzfragen e.V.« bezog das Institut im Juli 1946 seine angemieteten Räume am Steinriedendamm. Das »Gebäude« war eine Baracke von 260 qm, teilweise kriegszerstört und teilweise noch im Rohbau. Der Platz aber war ausreichend, und nach drei Monaten der Instandsetzung konnten die ersten Forschungsarbeiten aufgenommen werden. Klauditz fuhr im August 1946 nach Bayern, um die Ausstattungsreste, die aus dem Reichsinstitut dorthin gerettet worden waren, in Empfang zu nehmen. Der Transfer war nicht einfach, weil Bayern nicht zur britischen sondern zur amerikanischen Besatzungszone gehörte.

Im Jahre 1949, als das Institut sich den Namen »Institut für Holzforschung« gab, hatte Dr. Klauditz sein erstes Ziel erreicht: Die Mitgliederzahl des Vereins für Technische Holzfragen hatte sich stetig erhöht und lag jetzt bei 102 Mitgliedern. Der finanzielle Hintergrund war jetzt so gut wie gesichert. Die Forschungsarbeiten hatten in den ersten Jahren bei rein rohstoffwirtschaftlichen Fragen gelegen, jetzt aber verschob sich der Schwerpunkt immer mehr auf die Entwicklung von Herstellungsverfahren für künstliche Holzwerkstoffe.

Im Jahr 1952 wurde das Institut in Anerkennung der besonderen wissenschaftlichen Leistungen an die Technische Universität Braunschweig angegeliedert, die Trägerschaft blieb davon allerdings unberührt. Die Anerkennung der Spanplatte als dem wichtigsten Werkstoff für Möbel ist den Forschungsarbeiten von Dr. Klauditz in dieser Zeit zu verdanken.

Die Grundsteinlegung für das neue Institutsgebäude, eine Herzensangelegenheit von Dr. Klauditz, erlebte er selbst noch mit, auch die Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 1961, nicht aber die Eingliederung des Instituts in die Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 1972. Die Lücke, die sein unerwarteter Unfalltod im Jahr 1963 hinterließ, war derart groß, daß es erst fünf Jahre nach seinem Tod möglich war, einen geeigneten Nachfolger für die Leitung des Instituts zu finden.

Quellen

»40 Jahre Holzforschung in Braunschweig: Vom Stamm zur Platte«
Fraunhofer-Gesellschaft, 1986
und
»50 Jahre Verein für Technische Holzfragen«
Festschrift, 1996

 

Aktuell

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Prof. Dr.-Ing. Bohumil Kasal

 

Prof. Dr.-Ing. Bohumil Kasal ist seit dem 1. Oktober 2010 Leiter des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung. 

Mehr Informationen

 

2010 (kommissarisch)

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Prof. Dr. Tunga Salthammer

Prof. Dr. Tunga Salthammer übernahm die Tätigkeit als kommissarischer Institutsleiter vom 1. Januar bis 30. September 2010. Seit dem 1. März 2011 ist er stellvertretender Leiter des WKI.
Herr Professor Salthammer studierte Chemie an der TU Braunschweig. Nach Abschluss des Studiums und seiner Dissertation kam er 1990 als Wissenschaftler an das Fraunhofer WKI. Seit 1995 ist der Fachbereichsleiter der Abteilung Materialanalytik und Innenluftchemie. 2008 habilitierte er an der Fakultät für Lebenswissenschaften der TU Braunschweig. Er arbeitet in diversen internationalen Kommissionen und Gremien und ist weltweit anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Innenlufthygiene. Er ist Inhaber zahlreicher Gastprofessuren, z. B. in Dänemark, China und Australien. 

1989 bis 2009

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Prof. Dr. Rainer Marutzky

Prof. Dr. Rainer Marutzky wurde 1947 in Halle an der Saale geboren. 1968 bis 1973 studierte er Chemie an der Technischen Universität Braunschweig. Danach war er bis 1975 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig. Er promovierte 1975 mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Enzymchemie und Biophysik und arbeitete anschließend postdoktoral an der GBF. Seit 1976 ist Dr. Rainer Marutzky Mitarbeiter am WKI, zuerst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann als Leiter des Fachbereichs Umweltforschung und ab 1989 als kommissarischer Institutsleiter. 1992 erfolgte die offizielle Berufung zum Institutsleiter des WKI.
Bereits 1991 habilitierte er an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität Braunschweig und wurde im Mai 1996 zum apl. Professor ernannt. Seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete lagen vor allem im Bereich des Umweltschutzes in der Holzindustrie und bei Fragen der Holzverklebung. Auch engagierte er sich stark in der europäischen Normung. Er leitete das WKI bis zum 31. Dezember 2009.

1974 bis 1989

Prof. Dr.-Ing. habil. Gert Kossatz

Prof. Dr.-Ing. habil. Gert Kossatz wurde am 14. April 1929 in Dresden geboren. Nach dem Abitur ging er zunächst in die Lehre als Möbeltischler, die er 1949 als Geselle abschloss. Danach studierte an der TH Dresden, Fachrichtung Industriebau, und schloss 1955 als Dipl.-Ing. ab. Daneben war er Direktionsassistent im früheren Lehrbetrieb. 1955-1960 war er wissenschaftlicher Assistent, später Oberassistent und Lehrbeauftragter am Institut für Holz- und Faserstofftechnik der TH/TU Dresden. 1957 promovierte er an der Fakultät für Bauwesen der TH Dresden. Danach war er als Fachgruppenleiter am Institut für Baustoffe der Deutschen Bauakademie zu Berlin und als beratender Ingenieur für Leichtbauweise und Bauphysik, Projektant für die Holz- und Baustoffindustrie tätig.
1969 habilitierte er an der Fakultät für Maschinenwesen der TU Dresden. Ab 1974 war er Leiter des Wilhelm-Klauditz-Instituts und daneben apl. Professor in Karlsruhe, Baden-Württemberg und Honorarprofessor an der TU Braunschweig. 1986 wurde er zum Mitglied der International Academy of Wood Sience gewählt. Er schied zum 31. März 1989 aus dem WKI aus. Prof. Dr.-Ing. habil. Gert Kossatz starb am 26. April 2013 im Alter von 84 Jahren nach kurzer Krankheit.

1968 bis 1973

Prof. Dr. forest. Horst Schulz

Prof. Dr. forest. Horst Schulz wurde am 6. November 1924 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Humbolt-Universtität Berlin/Eberswalde mit dem Abschluss als Diplom-Forstwirt. Danach war er bis 1953 als Revierassistent im Forstamt Joachimstal, als Sachbearbeiter der Landesregierung Brandenburg für Forstnutzung und als Assistent bzw. Oberassistent an der Humbolt-Universität in Berlin tätig. 1954 promoviere er zum Dr. forest.. 1960 folgte die Habilitation an der Georg-August-Universität in Göttingen. 1963 ging er für ein einjähriges Forschungsstipendium an die Harvard-University, Mass./USA.
1965-1968 war er FAO-Experte im Rahmen des UNDP-Programmes (Hochschullehrer und Berater der Holzindustrie in Chapingo/Mexiko). Er war von 1968 bis 1973 Nachfolger von Dr. Klauditz als Leiter des Wilhelm-Klauditz-Instituts. Prof. Schulz verstarb am 6. Februar 2002.

1963 bis 1968 (kommissarisch)

Dr. rer. nat. Günther Stegmann

Dr. rer. nat. Günther Stegmann wurde am 20. Januar 1914 in Berlin geboren. Nach dem Abitur studierte er Naturwissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin. 1939 promovierte zum Dr. rer. nat.. 1940 bis 1941 war er wissenschaftlicher Angestellter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, Berlin, Abteilung Faserforschung und ab 1942 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Abteilungsleiter im chemisch-technologischen Institut der Reichsanstalt für Holzforschung in Eberswalde.
Ab 1946 arbeitete er in der »Versuchs- und Beratungsstelle für technische Holznutzung des Vereins für Technische Holzfragen«, dem späteren Wilhelm-Klauditz-Institut. Nach dem Tode von Dr. Klauditz 1963 übernahm er kommissarisch die Leitung des Instituts. Auch gab er in seiner Nachfolge die renommierte Zeitschrift »Holzforschung« heraus. 1977 trat er in den Ruhestand. Er verstarb am 28. Dezember 1999.

1946 bis 1963

Gründer und Namensgeber Dr.-Ing. Wilhelm Klauditz

Dr.-Ing. Wilhelm Klauditz, geboren am 24.Februar 1903 in Vechelde bei Braunschweig, studierte Chemie an der Technischen Hochschule Braunschweig und promovierte 1928 zum Dr.-Ing.. 1929 trat er in das Zentrallaboratorium der Koholyt GmbH in Köln ein. Nach der Übernahme der Firma durch die Feldmühle AG 1934 stieg er 1936 zum stellvertretenden Leiter des Forschungslaboratorium der Feldmühle in Stettin auf. 1939 ging er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Reichsanstalt für Holzforschung. 1941 wurde er stellvertretender Leiter und bereits 1944 Leiter des chemisch-technologischen Instituts der Reichanstalt für Holzforschung. 1946 trug er wesentlich zur Gründung der »Versuchs- und Beratungsstelle für technische Holznutzung des Vereins für Technische Holzfragen« bei und leitete diese. 1950 erhielt er den Lehrauftrag für »Holzforschung und Holztechnologie« an der Technischen Hochschule Braunschweig. Ab 1951 gab er die Fachzeitschrift »Holzforschung« heraus. 1953 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Ab 1954 arbeitete er in internationalen Organisationen (OEEC, FAO, ECE). Am 30. Juni 1963 starb er auf einer Dienstreise nach München bei einem Verkehrsunfall.