Interview mit Produktdesignerin Sofia Souidi

Nachwuchsdesignerin arbeitet gemeinsam mit dem Fraunhofer WKI an nachhaltigen Ausstellungsmöbeln

Die Produktdesignerin Sofia Souidi befasst sich in ihrem Projekt »Superwood« mit nachhaltigen Möbelstücken für den Ausstellungs- und Messebau. Das Fraunhofer WKI unterstützt sie bei der Materialentwicklung und -prüfung. Im Interview spricht sie über die Entstehung dieser Projektidee und die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer WKI. Ihre Botschaft lautet: Die Verzahnung von Wissenschaft, Kunst und Design bringt Vorteile für beide Seiten.

© Sofia Souidi
Eine Box mit feinen Holzfasern und locker aufgestreuten, dunklen Farbpigmenten.
© Fraunhofer WKI | Fine Behrens
Im ersten Schritt werden die Holzfasern mit natürlichen Farbpigmenten vermischt. Hier zunächst nur grob und später maschinell für eine noch feinere Verteilung.
Schaumstoffartiger Block aus Holzfasern und Farbpigmenten, der in einer großen Presse liegt.
© Fraunhofer WKI | Fine Behrens
Die vermischten Holzfasern und Farbpartikel werden in mehreren Schritten an verschiedenen Maschinen im Technikum des Fraunhofer WKI zu einer Platte verpresst. Zunächst entsteht ein locker gepresster Block.
Die Produktdesignerin hält eine rechteckige Musterplatte in beiden Händen so vor sich ausgestreckt, dass man nur ihre Hände und einen Teil ihres Oberkörpers sieht. Die Platte ist cremefarben und mit dunkelblauen Farbtupfern gesprenkelt (ähnlich Terrazzo).
© Sofia Souidi
Nach der Pressung und dem Zuschnitt ist eine erste Musterplatte entstanden.

Worum geht es in deinem Projekt »Superwood«?

Superwood ist ein umweltfreundliches Material, das aus recycelten Holzfasern, natürlichen Farbpartikeln und Casein-Leim besteht. Leim aus Casein (Milchprotein) wurde bereits im alten Ägypten als Klebstoff für den Möbel- und Bootsbau verwendet. Ziel ist es, ein Material zu entwickeln, das sich mithilfe von Formwerkzeugen in gebogene Formen pressen lässt. Anwendung könnte das Projekt im Ausstellungs- und Messebau finden. In diesem Bereich werden große Mengen an Material verbaut und schon nach sehr kurzer Zeit wieder entsorgt.

 

Was war der Ansporn für dich bei dieser Projektidee?

Ich wollte ein umweltfreundliches, ästhetisches Material entwickeln. Als Produktdesignerin arbeite ich bisher immer mit bereits vorhandenen Materialien. Ein Material selbst zu entwickeln, direkten Einfluss auf die Haptik, Farbe und letztlich auch Zusammensetzung zu nehmen, hat mich sehr interessiert. Ich denke, dass es auf diesem Gebiet noch viele Möglichkeiten für Innovationen gibt.

 

Wie kamst du auf das Fraunhofer WKI als Partner für die Umsetzung?

Ich habe eine kleine Werkstatt, in der ich das Pressen der Holzfasern mit Hilfe von Schraubzwingen durchgeführt habe, mir somit also Techniken aus dem Buchdruck zunutze gemacht habe. Doch dabei kam ich schnell an die Grenzen, was die technische Umsetzung und Skalierbarkeit anging. Denn das Material wird so nicht dicht genug zusammengedrückt und die Oberflächen wurden auch nicht so gleichmäßig. Wegen einer früheren Uni-Exkursion zu einem anderen Fraunhofer-Institut kam ich auf die Idee, mich an das Fraunhofer WKI zu wenden. Ich habe Musterplatten im Technikum des Fraunhofer WKI herstellen lassen, um den Casein-Leim in Kombination mit den Fasern und den natürlichen Farbpigmenten zu testen.

 

Wie würdest du deine Herangehensweise bei Projekten beschreiben?

Meine Projekte beginnen meistens mit der inhaltlichen Recherche zu dem Thema, das ich bearbeiten möchte. Gleichzeitig sichte ich Bilder von angrenzenden gestalterischen Disziplinen wie Architektur, Design und Kunst. Zu diesem Zeitpunkt bin ich recht offen für alles. Während der Auseinandersetzung bildet sich dann immer mehr eine Richtung aus. Parallel fange ich dann oft schon in der Werkstatt an, Modelle zu bauen, zu fotografieren und einen Kontext zu setzen. Meine Herangehensweise ist aber kein linearer Prozess, sondern eher eine zirkuläre Entwicklung. An dem Punkt, an dem die Idee so weit ausgereift ist, sie zu einem Prototyp zu entwickeln, kommen dann spezialisierte Fachleute hinzu.

 

Was könnte sich die Wissenschaft von Kunst und Design abgucken?

Vielleicht sich die Freiheit zu bewahren, dass Zufälle und Unvorhergesehenes auch zu interessanten Ergebnissen führen können.

 

Geht man als Künstlerin generell offener an neue Ideen ran und experimentiert mehr?

Ich plane meine Projekte nicht komplett in der Theorie durch. Dadurch kann ich dem Zufall etwas Freiraum geben. Manchmal sind die unvollkommenen, unerwarteten Ergebnisse die Spannendsten und Ausgangspunkt für neue, zielführende Lösungswege.

 

Was hast du als Künstlerin und Designerin wiederum von den Forschenden und Mitarbeitenden des Technikums am Fraunhofer WKI gelernt?

Für mich war es wichtig, möglichst viel von dem Herstellungsprozess selbst zu sehen und zu verstehen. Die Offenheit des Fraunhofer WKI dem Projekt und mir gegenüber habe ich daher sehr geschätzt. Die Genauigkeit und Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte, die technischen Möglichkeiten im Technikum des Fraunhofer WKI und letztlich die Qualität der Ergebnisse haben mich sehr beeindruckt.

 

Welche Parallelen siehst du zwischen Wissenschaft, Kunst und Design?

Ich denke, dass Kreativität etwas ist, das Wissenschaft und Design verbindet. Und weniger in Routinen zu arbeiten, sondern neue Wege zu gehen.

 

Wie gehst du als Künstlerin mit Rückschlägen um?

Da ich fast immer mit neuem Material oder einer neuen Technologie arbeite, kommt es oft zu Situationen, in denen ich improvisieren oder umplanen muss. Bei diesem Projekt muss zum Beispiel mehr Zeit in die Entwicklung der Musterplatten fließen, bevor eine komplexere Form wie ein Möbelstück entwickelt werden kann.