#WeKnowWood: Fraunhofer WKI präsentiert Deckensystemmodul auf der LIGNA 2023

Pressemitteilung /

Mit dem Deckensystemmodul für die Modernisierung von Zwischendecken in Gebäuden zeigen Forschende des Fraunhofer WKI auf der LIGNA 2023 eine ökologische Möglichkeit der Altbausanierung. Mit den vorgefertigten Kleintafeln in modularer Bauweise sind Sanierungen in Zukunft einfacher und schneller durchzuführen.

Das Foto zeigt einen etwa 15 cm hohen Kasten aus Holz An der Kastenseite sind Klebebänder angebracht und es stehen runde Holzstäbe als Steckverbindung heraus. Auf dem Kasten liegt eine etwa 10 cm hohe Holzschaumplatte, die von einer etwa 4 cm starken Betonschicht bedeckt ist. Direkt unter der Betonschicht sind Rohre in den Holzschaum eingelassen.
© Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau
Die vorgefertigten Kleintafeln in modularer Bauweise können mit einer Fußbodenheizung ausgestattet werden. Die Fußbodenheizung ist an den blauen Röhren seitlich zu erkennen, die aus dem Holzschaum herausschauen.
Die 3D-Computergrafik zeigt eine Raumecke mit Querschnitt durch Wand, Decke und Fußboden.
© Fraunhofer WKI | Manuela Lingnau
Mit dem Highlight »Multimaterialmodell Wand I Decke I Dach« zeigen die Forschenden des Fraunhofer WKI gleich acht Innovationen für die Bauindustrie.

Das Deckensystemmodul ist der Boden des »Multimaterialmodells Wand I Decke I Dach«, welches derzeit auf der LIGNA 2023 zu sehen ist. Die Kleintafeln, mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe, sollen in Altbauten künftig gering tragfähige und hellhörige Zwischendecken ersetzen. Der Anwendungsbereich ist groß, denn von den rund 9 Millionen Altbauten in Deutschland sind etwa 70 Prozent noch nicht energetisch saniert. In dem Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Institut für Füge- und Schweißtechnik (IFS) der Technischen Universität Braunschweig haben die Forschenden vorgefertigte Kleintafeln, mit einer guten Schall- und Wärmedämmung entwickelt. Mit modularen Holz- oder Holz-Beton-Elementen entsteht eine mosaikartige Kassettendecke, die am Ende eine mit Stahlbeton vergleichbare Tragfähigkeit aufweisen soll.

Am Fraunhofer WKI haben die Forschenden die Auswahl der Holzwerkstoffe vorgenommen und unter anderem OSB-Platten entwickelt. Der äußere Kasten des Deckensystemmoduls besteht aus Konstruktionsvollholz mit jeweils einer Decke und einem Boden aus OSB-Platten. »Durch die Verwendung von Holzwerkstoffen weisen die Kleintafeln ein geringes Eigengewicht auf. Das ermöglicht den Transport der Module von zwei Personen durch ein Treppenhaus. Für die Sanierung von häufig schwer zugänglichen Altbauten ist das ein großer Vorteil«, erläutert Dr. Steffen Sydow, Projektleiter am Fraunhofer WKI. Um die Ressourceneffizienz zu steigern, wurden bei der Entwicklung der Module vor allem Laubhölzer wie Buchenschwachholz aus Durchforstungen verwendet.

Der Kastenaufbau und die Steckverbindungen besitzen eine hohe Eigensteifigkeit und können dadurch freitragend errichtet werden. Eine zusätzliche dünne textil-verstärkte Betonplatte verbessert darüber hinaus die Steifigkeit und die Trittschalldämmung.

Für den Sandwichkern in der Kastenfüllung wurde der bereits am Fraunhofer WKI entwickelte Holzschaum genutzt, durch den sich gleichzeitig die Wärme- und Schalldämmung erhöht. »Die Schallabsorption durch den Holzschaum funktioniert so gut, dass die Kleintafeln auch als Akustikplatten zur Verbesserung des Raumklanges eingesetzt werden könnten«, sagt Dr. Sydow. Der ökologische Holzschaum ersetzt petrochemische Dämmmaterialien wie PU- oder XPS-Schäume durch nachwachsende Rohstoffe.

Beim Projektpartner IFS an der TU Braunschweig wurde eine neue Klebetechnik mit konduktiv schnellheizenden Klebebändern entwickelt. Die Klebebänder werden in der Vormontage an den Modulkanten befestigt. Durch ein elektrisches Kontaktiersystem können die Module auf der Baustelle schnell miteinander verbunden werden. Prinzipiell ist auch ein Rückbau nach der Nutzungsphase mit der gleichen Methode möglich. Dadurch ergeben sich Vorteile für das Recycling. Die Forschenden an der TU Braunschweig haben außerdem die Tragfähigkeit des Deckenverbunds mit positivem Ergebnis getestet.

Mit dem Deckensystemmodul wird die Sanierung und Nachnutzung von Altbauten in Zeiten des Wohnungsmangels auf ökologische Weise gefördert. Für eine Steigerung des Komforts ist es sogar möglich, eine Fußbodenheizung in das Deckensystemmodul zu integrieren. Künftig könnten diese Module ebenfalls in Industriegebäuden oder als Wandmodule für eine bessere Akustik zum Einsatz kommen.

Live erleben auf der LIGNA 2023

Das Fraunhofer WKI präsentiert seine Innovationen in Halle 26, Stand B 78. Mitaussteller ist der Internationale Verein für Technische Holzfragen e. V. (iVTH).

Mehr Informationen zum Messestand: www.wki.fraunhofer.de/ligna-2023

Die LIGNA ist die Weltleitmesse für Werkzeuge, Maschinen und Anlagen zur Holzbe- und -verarbeitung und findet vom 15. bis 19. Mai 2023 in Hannover statt. 

Förderung

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat das Projekt über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Das Projekt ist in der Förderdatenbank der FNR gelistet (Förderkennzeichen 22007817 und 22023318).

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)

Letzte Änderung: